Wie bin ich Bayern-Fan geworden? Teil 2

Natürlich wird man nicht von heute auf morgen zu einem Fan einer Mannschaft. So war es bei mir mit den Bayern ja auch nicht. Im ersten Teil von "Wie bin ich Bayern-Fan geworden?" konntet ihr bereits nachlesen, dass Oliver Kahn derjenige war, der mich auf den deutschen Rekordmeister aufmerksam gemacht hat und mich mit seiner Aktion in den Katakomben des Fritz-Walter-Stadions vollends zum Bayern-Fan gemacht hat. Allerdings war ich da noch lange nicht der bekloppte Bayern-Ultra, der ich heute bin. Bis es soweit war, floss noch viel Wasser die Isar runter.

 

Zugegeben, ich habe damals als kleiner Junge von acht Jahren, nicht jedes Spiel verfolgt. Vielleicht auch gerade deshalb, weil ich noch vor meiner Herzfehler-Diagnose, selbst im Fußballverein zwischen den Pfosten stand. Oft waren die Spiele zeitgleich mit den Bundesligaspielen angesetzt, das machte es schwer alle Bayernspiele zu verfolgen. Aber als Kahn-Fan der ich nun mal bin, stand ich damals ausschließlich im Torwart-Trikot des FC Bayern München auf dem Platz. Und diesen ultimativen Siegeswillen und Ehrgeiz, habe ich wohl auch seiner Art auf dem Platz zu verdanken. Diese Weiter-immer-weiter-Mentalität, dass man niemals ein Spiel aufgibt und um den Sieg kämpft. Und dafür stand und steht für mich Oliver Kahn bis heute.

 

Aber zurück zum Thema...

2005 war für mich kein leichtes Jahr wegen meiner Herzfehler-Diagnose und den damit verbundenen häufigen Krankenhausaufenthalten (Wenn ihr darüber mehr erfahren wollt, guckt gerne mal in der Kategorie "Herz und Seele neben dem Platz" vorbei). Es war Frühjahr 2005 als ich zum ersten Mal operiert werden sollte. Und was ist im Frühjahr? Genau, Champions-League. In den Tagen nach meiner Operation spielten die Bayern im Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea. Ich wollte nach meiner anstrengenden OP einfach nur ein bisschen Normalität haben, sodass ich abends mit meiner Mutter das Spiel auf dem kleinen Fernseher in meinem Krankenzimmer guckte. So viel vorneweg, die Bayern schieden an diesem Abend aus, da das Hinspiel mit 2:4 in London verloren wurde und der Rückspielsieg mit 3:2 leider ein Tor zu niedrig ausfiel. Jedoch war es damals bei mir noch so, dass ich jedes Bayernspiel für sich, als eigenes Ereignis gesehen habe und mich so viel mehr über den 3:2-Sieg gefreut habe, als über das Ausscheiden geärgert habe. Zumal die Bayern das Spiel in der 90min noch von 1:2 auf 3:2 drehten. So konnte ich den Abend im Krankenhaus doch einigermaßen ertragen.

 

Die Saison verlief für die Bayern trotz des Ausscheidens in der Königsklasse äußerst erfolgreich. Neben der Meisterschaft erreichte man das DFB-Pokalfinale am 28.05 in Berlin gegen den FC Schalke 04. Das Finale fand also an meinem Geburtstag statt! Super Vorraussetzungen also für einen schönen Tag. Meine Eltern schmissen für mich eine super Gartenparty und die Bayern gewannen abends das Endspiel mit 2:1 und damit das nationale Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal. Nach dem Spiel, ich weiß es noch als ob es gestern gewesen wäre, ging ich wieder raus auf unsere Terasse und wurde plötzlich von meinem Vater hinterrücks einer traditionellen Bierdusche unterzogen. Eben genauso wie die Spieler auf dem Feld. Ich muss kaum erwähnen, dass es ein sehr schöner neunter Geburtstag für mich war, gerade nach den gesundheitlich schwierigen Vorwochen.

 

Es dauerte allerdings bis ins Jahr 2008 bis ich dem FC Bayern wieder ein Stück näher kam. In den Jahren zuvor fiel der Fokus, vorallem wegen der Weltmeisterschaft 2006, auf die Nationalmannschaft. Ich weiß noch wie sauer ich war, als Jürgen Klinsmann Jens Lehmann zur Nummer 1 im Tor erklärte und nicht Oliver Kahn. Ich bin mir sicher mit Kahn im Tor wären wir schon 2006 Weltmeister geworden ;-). Aber zurück zum FCB. 2008 stand mein erstes Bayernspiel seit fünf Jahren an. Das letzte Spiel, was ich zu dem Zeitpunkt live verfolgt habe, war ein 2:0 Heimerfolg gegen den VFL Bochum im Münchner Olympiastadion im Jahr 2003. Noch so eine Sache... Ich hatte das Privileg den FC Bayern im altehrwürdigen Olympiastadion spielen zu sehen. Zwei Mal sogar. Das erste Spiel allerdings "auswärts" gegen den ungeliebten Lokalrivalen 1859+1 aber auch da gewannen wir. Mit 5:0. 

 

Jetzt aber 2008. Heimspiel. Das erste Mal für mich in der, damals noch neuen, Allianz Arena. Wieder ein 2:0 Heimsieg, diesmal allerdings gegen den Karlsruher SC. Es war das letzte Mal, dass ich mein Kindheitsidol Oliver Kahn live auf dem Platz spielen sehen durfte. Vielleicht auch ein wenig bezeichnend, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dass alle Spiele, die ich damals live im Stadion gesehen hatte Zu-null-Siege für die Bayern waren und Oli seinen Kasten immer sauber gehalten hat. Für mich persönlich verleiht das dem Ganzen, so verrückt es auch klingen mag, noch eine mystische, eine heroische Note. Im Sommer 2008 beendete Oliver Kahn dann seine tolle Karriere mit einem emotionalen Abschiedspiel gegen die Deutsche Nationalmannschaft. Das Spiel ging 4:2 für den FC Bayern aus aber das war an dem Abend eher zweitrangig. In der 75.Spielminute unterbrach Schiedsrichter Dr. Markus Merk die Partie und der Titan Oliver Kahn ging, begleitet von Paul Potts und "Time to say goodbye", auf seine letzte Ehrenrunde als Bayernspieler. Ich hab echt verdammt viel geheult bei dem Abschied damals, schließlich hörte der Spieler auf, der mich erst zum Fußball und vor allem zum FC Bayern brachte.

 

Für mich war das damals so etwas wie eine Zäsur, denn kurz danach begann für mich die FC Bayern München-Ära, die mich zu dem Fan machte, der ich heute bin.

 

Fortsetzung folgt in Teil 3 von "Wie bin ich Bayern-Fan geworden?"

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